Traumbusen aus Industriesilikon

Vor dreieinhalb Jahren fuhr M. in eine osteuropäische Metropole, um sich dort in einer Klinik die Brüste vergrößern zu lassen. Bereits wenige Monate nach dem Eingriff geriet der französische Hersteller ihrer Silikonimplantate international in die Schlagzeilen: Poly Implant Prothèse (PIP) hatte billiges Industriesilikongel verwendet, das für Brustimplantate nicht zugelassen war. In vielen Fällen waren die Kissen gerissen und hatten Entzündungen verursacht – allein in Frankreich wurden bis Ende 2012 mehr als 1.000 defekte PIP-Implantate gemeldet.

Meine Oma, der Cyborg

Erste Assoziationen zum Begriff des Cyborgs reichen von RoboCop über Terminator Überwindung von race, class, gender, das Auflösen von Normen also durch die Verschmelzung von Mensch und Maschine. Doch gegenüber dieser Verschmelzung aus freien Stücken herrscht im Mainstream bisher große Skepsis.

Der »traurige Nutzwert« des Gabelmessers

Die öffentliche Sicht auf die Themen Prothetik und Behinderung ist geprägt durch Medienberichte über paralympische Superathleten, körperbehinderte Models und Cyborgs, die sich von Zukunftsvisionen der 1980er Jahren mittlerweile in unsere Zeitgenossen verwandelt haben. Das vorliegende Objekt, das Gabelmesser, lenkt die Aufmerksamkeit auf einen viel weniger spektakulären Aspekt der Prothetik, nämlich auf die lästige Bewältigung des Alltags.

Die Mobilisierung des Körpers. Prothetik seit dem Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg und die mit ihm verbundenen extremen physischen und psychischen Belastungen hatten auf die kulturelle, intellektuelle und künstlerische Wahrnehmung menschlicher Körper ebenso wie auf die Entwicklung neuer Technologien der Wiederherstellung, Verbesserung und Steigerung körperlicher Eigenschaften und Fähigkeiten einen kaum zu überschätzenden Einfluss.

Homo faber in Höchstform: Prothesen Marke Eigenbau

Was passiert, wenn Menschen versuchen, ihre verlorenen Gliedmaßen selbst zu ersetzen, sich selbst oder den Menschen ihrer unmittelbaren Umgebung neue Gliedmaßen zu basteln? Dieser Prozess des Ent- und Verwerfens, des Anpassens von Dingen an den eigenen Körper, des Arbeitens mit vorhandenem begrenztem Material und Werkzeug, scheint zunächst denkbar weit entfernt von den hochtechnologischen Artefakten der modernen Prothetik. Gerade deshalb, das ist meine Annahme, kristallisieren sich in diesen Prozessen spannende Fragestellungen.

Im Dialog mit provisorischen Dingen

Wie geht man mit Dingen um? Man be-greift sie, man hand-habt sie – man tut es einfach. Wie geht man mit Dingen im geistes- und kulturwissenschaftlichen Diskurs um? Das ist eine viel kompliziertere Frage. Nachdem der vielzitierte material turn in den Kulturwissenschaften den Fokus auf die Dinge und deren Materialität gesetzt und damit für Furore gesorgt hat, bemühen sich die Verteter_innen unterschiedlichster Disziplinen um einen partnerschaftlichen Dialog mit den Dingen.

Überwindung der Körperlichkeit. Historische Perspektiven auf den künstlichen Körper

Technologien, die der Wiederherstellung, Verbesserung und Steigerung körperlicher Eigenschaften und Fähigkeiten dienen, erscheinen heute allgegenwärtig. Diese Beobachtung sowie die Vermutung, dass die Grenzen zwischen Körper und Technik verwischen, nahmen die Veranstalterinnen und Veranstalter der Tagung zum Anlass, Formen, Kontexte und Effekte der »Überwindung der Körperlichkeit« zu diskutieren. Ziel war es, aktuelle Enhancement-Technologien durch einen Blick auf die Geschichte der Wechselbeziehungen von Körper und körperassoziierter Technik zu historisieren.