Elena Gußmann

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Studentische Hilfskraft
Technische Universität Berlin

Beiträge

Die Stimme ist ein Schnittstellen-Phänomen par excellence. Sie vermittelt zwischen Innen- und Außenraum, Physiologie und Psychologie und ist eines der elementarsten zwischenmenschlichen Ausdrucksmittel. Sie ist eine Schnittstelle zur Welt. Sie ist immer dazwischen, immer flüchtig und nie greifbar. Kann unter diesen Voraussetzungen der Verlust der Stimme durch ein Ding funktional kompensiert werden? Eine Reflexion über die Stimmprothese, die vielen kehlkopf-amputierten Menschen das Sprechen wieder ermöglicht.

Nach einer Kehlkopf-Amputation keine Stimme mehr zu haben, ist für viele Betroffene nicht nur eine physische, sondern auch eine psychische Belastung. Darum ist sowohl vor als auch nach der OP sensible und fachkundige Beratung gefragt. Welche Form der Stimmrehabilitation ist für die jeweiligen PatientInnen geeignet? Diese Begleitung wird häufig durch Betroffenenverbände geleistet, z. B. durch die Mitglieder des Landesverbands der Kehlkopfoperierten Freistaat Sachsen e. V..

Frank Mädler ist Vorsitzender des Landesverbandes der Kehlkopfoperierten in Sachsen, selbst kehlkopflos und spricht seit 1989 mit der Ösophagus-Stimme. Im folgenden Beitrag spricht er über das Objekt »Trachealkanüle/Sprechkanüle« aus der Sammlung des Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Diese Kanüle habe ich 1989 von unserer Klinik – eine neue und eine gebrauchte – bekommen, als ich operiert worden bin. Die Silberkanüle ohne Schlitz zur Sprechkanüle, sondern durchweg mit Innenkanüle galt bis Mitte der 90er Jahre als Nonplusultra – hat einen Vorteil: Die Silberkanüle ist wahnsinnig steril.

Am 13. und 14. November 2014 fand in den Räumen der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn die Tagung Der arbeitende Körper im Spannungsfeld von Krankheit und Gesundheit statt. Ein willkommener Rahmen, um den eigenen Forschungshorizont zu erweitern. Dieser hatte sich für das Anthropofakte-Projekt aus gegebenem Anlass im Jahr 2014 auf Prothetik im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg fokussiert. Durch die Tagung Mobilisierung des Körpers im März 2014 wurde deutlich, dass es in den Nachkriegsjahren vor allem um die Wiederherstellung der Arbeitskraft mit Hilfe von Prothesen ging.

Die diesjährige Eröffnungsveranstaltung der Fußball-Weltmeisterschaft hat es bereits gezeigt: Technische Erweiterungen des Körpers werden im Sport zunehmend präsenter. Der ›Kick-off‹ in Brasilien, bei dem ein querschnittsgelähmter Jugendlicher im gedankengesteuerten Exoskelett medienwirksam den ersten Ballanstoß vollführte, kann vielleicht auch als ›Kick-off‹ der Zeit des Cybersports gelten: Denn schon in zwei Jahren – am 08. Oktober 2016 – wird in der Schweiz der erste Cybathlon stattfinden: die weltweit erste Meisterschaft für ›robot-assisted parathlets‹.

Die technische Erweiterung des menschlichen Körpers und die damit verbundenen Ängste und Hoffnungen sind nicht neu. Jedoch scheinen sich mit heutigem Stand der Technik neue Möglichkeiten zu eröffnen. Wo sich das Aufgabenfeld der Prothetik ehemals durch die Schaffung möglichst guter Ersatzteile definierte, stellt sich nun die Frage nach Produkten, die besser sind als das Original – aus Kompensation wird Enhancement.